DAS HAUS

Auf der Fassade...


hat Zeit ihre Spuren hinterlassen. Als Zeichen der Mangelwirtschaft zu Ostzeiten ist sie heute eine Reminiszenz an die vergangene Zeit, in der sich gerade durch den Verfall auch unkontrollierte Nischen und Freiräume ergaben.

Das Haus in der Böhmischen Straße 34 stammt aus dem Jahr 1837. Im Vorderhaus gab es Wohnungen für die einfachen Leute, im Hinterhaus verschiedene Gewerke, einmal eine Eisengießerei - deshalb die Rampe im Garten, später auch mal einen Tanzsaal. Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz.


KUNSTHAUS RASKOLNIKOW



Mitte der 80er war das Haus weitgehend leergezogen und sollte abgerissen werden. Dresdner Künstler - Rainer Görß, Viola Schöpe, Harriet Böge, Tom Herold, Thomas Reichstein u.a. - besetzten das Haus in aller Stille als Arbeits- und Lebensraum. Mit einem Pappschild an der Tür erklärten sie die Böhmische Straße 34 kurzer Hand zur "Außenstelle der Kunsthochschule" (HfBK). Das beruhigte den ABV (Abschnittsbevollmächtigten der Volkspolizei) und ersetzte den Mietvertrag.

Noch vor der Wende hat sich der Kunstverein "Kunsthaus Raskolnikow e.V." gegründet. Im Vorderhaus gab es, neben besetzten Wohnungen, eine Galerie, im Hinterhaus eine Malschule, eine Töpferwerkstatt und ein Atelier für Bildhauerei.

In der Aufbruchsstimmung der Wende geriet das alte Haus in den Strudel von nachwende-typischen Interessenskonflikten: es wurde gekauft, verkauft, und prozessiert. Die ganze Geschichte ist ein Krimi, wie er in der Zeit öfter vorkam. Am Ende wurde das Objekt 1996 an den Richter Söhnen und seine Frau verkauft, die die Gebäude in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein nach und nach behutsam sanierten. Ziel war es, dem Haus seine alte Seele und seine Geschichten zu lassen.


CAFÉ RASKOLNIKOW



Die Nachwendezeit war die Zeit der Kneipengründungen. Sie alle wurden Cafés genannt. Im Haus Böhmische Straße 34 wurden im Erdgeschoss Wände herausgerissen und Heidesand auf dem Fußboden geworfen, Tische aus alten Kranteilen geschweißt und ein Tresen mit ausgedienten Hinweisschildern einer russischen Kaserne verkleidet. Das Café erhielt den Namen "Raskolnikow". Seitdem brennt die rote Lampe vor der Eingangstür.


DIE AXT



Um die Namensgebung ranken sich Mythen, angeblich soll er einer Künstlerin in der Badewanne eingefallen sein. Rodion Romanowitsch Raskolnikow jedenfalls ist der Protagonist in Dostojewskis Roman "Schuld und Sühne", der in dem Roman zwei Frauen mit einer Axt erschlägt. So wurde und blieb die Axt neben der roten Lampe ein Wahrzeichen des Hauses.


RESTAURANT UND BAR



Im Jahr 1997 eröffnete Dorle Söhnen, tatkräftig unterstützt von ihrem Mann, mit einem äußerst engagierten Team das "neue" Raskolnikoff. Im Erdgeschoß wurde das Restaurant Raskolnikoff mit seiner offenen Küche und seinen kulinarischen Happen aus allen vier Himmelsrichtungen eingeweiht. Gleichzeitig öffnete mit der Bar auch das ursprüngliche Café Raskolnikow wieder. Sehr schnell waren die gute Küche und vor allem auch der schöne Garten in der Neustadt sehr beliebt.

Viele denken, dass das Raskolnikoff eine russische Kneipe sei. Das war es nie. Zwar standen immer Borschtsch, Pelmeni auf der Speisekarte, es gab jedoch immer auch Käsespätzle und Rahmkuchen.


ZIMMER + GÄSTE



Anfang 1998 baute Familie Söhnen im Dachgeschoß Gästezimmer aus. Mit dem Kunsthaus Raskolnikow e.V. wurde das Konzept verwirklicht, Künstler "aus aller Herren Länder" im Haus zu beherbergen. Der erste Künstler aus einer der Partnerstädte Dresdens (Columbus, Ohio), Nicholas Hill, weihte so 1998 eines der Zimmer ein. Nicholas Hill blieb dem Kunsthaus Raskolnikow, der Landeshauptstadt Dresden und auch dem Restaurant und der Pension Raskolnikoff über viele Jahre verbunden. Seine Arbeiten waren 2014 im Stadtarchiv zu sehen.

Im Laufe der Jahre haben viele Künstler, größtenteils aus den Partnerstädten Dresdens, im Raskolnikoff gelebt und gearbeitet. Betreut wurden sie von dem Kunsthaus Raskolnikow e.V. In jedem Pensionszimmer hängen Werke von einem der Künstler, der dieses Zimmer bewohnt hat. Immer noch sind Künstler häufige Übernachtungsgäste im Haus.


DIE GALERIE



Schon vor der Gastronomie und der Pension hat sich über viele Jahre die Galerie Raskolnikow >> im ersten Stock des Vorderhauses etabliert. Sie wird noch immer vom Kunsthaus Raskolnikow e.V. unter der Leitung von Iduna Böhning-Riedel geführt. Neben der Organisation ambitionierter Ausstellungen betreut Frau Böhming-Riedel nach wie vor den Künstleraustausch der Landeshauptstadt Dresden und des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.


UN NU?



Seit Januar 2014 führen Ralf Hiener und seine Frau Petra Burckhardt das Restaurant, die Bar und die Pension Raskolnikoff. Im Team mit zahlreichen altgedienten und neuen Mitarbeitern ist es ihr Anliegen, die breitgefächerte Gästeschar in legerer Athmosphäre kulinarisch zu verwöhnen und den Spirit des Ortes zu bewahren, nach dem Motto, vieles ist möglich, nichts ist beliebig...